Geschichte des Vinschgaus und der Meraner Umgebung

Das historische Dreieck

 
Kaum eine Talschaft Südtirols ist so stark von der Historie geprägt wie der Vinschgau und die Umgebung Merans. Bereits in der Frühgeschichte war das „historische Dreieick“ des oberen Vinschgaues, des Engadins und des Veltlins besiedelt. Unter dem Begriff Vinschgau (ursprünglich Vintschgau, it. Val Venosta) versteht man den westlichen Teil von Südtirol beziehungsweise den obersten Teil des Etschtals. Man unterscheidet hier meistens zwischen der geographischen Grenze, welche von Nauders (Österreich) bis zur Töll verläuft, und dem politischen Bezirk vom Reschen bis kurz vor die Ortschaft Naturns (bei Meran). Der italienische (Venosta) wie der deutsche Name des Vinschgau (früher Venostengau) gehen auf das rätische Volk der Venosten zurück, die im Laufe der römischen Herrschaft romanisiert wurden.[1] Aus dem Vulgärlateinischen entstand hier die ladinische Sprache.
Bis ins 17. Jahrhundert wurde im Vinschgau wie auch in Nauders fast ausschließlich Ladinisch gesprochen. So war es im 14. und 15. Jahrhundert in Glurns die einzige bei Gericht verwendete Sprache. Im Zuge der Reformation, die in Tirol jedoch nur kurz währte, fand es ebenfalls Verwendung. Am längsten hielt sich das Ladinische im Oberen Vinschgau, und Taufers im Münstertal ging erst Anfang des 19. Jahrhunderts zum Deutschen über.[2] In Müstair (Münster) auf Schweizer Seite ist es bis heute die vorherrschende Sprache (siehe auch Unterengadinische Sprache).
Heute sprechen trotz über achtzigjähriger Zugehörigkeit zu Italien fast 97 % der ortsansässigen Vinschger Bevölkerung Deutsch und nur 3 % Italienisch als Muttersprache
Der Etsch entlang stoßen wir immer wieder auf interessante Kulturdenkmäler und Spuren vorgeschichtlicher Zivilisation. Einen wesentlichen Beitrag der Veränderungen in der Region haben die Mönche von Kloster Marienberg beigetragen. Die Calvenschlacht, Mals und Glurns, die Churburg und Prokulus sind klingende Namen in den Ohren von Historikern und Kunsthistorikern.
Wenn wir dann das „Burggrafenamt“, wie die Umgebung rund um Meran genannt wird, mit dem Rad erfahren, stoßen wir auf die Wurzeln der Tiroler Geschichte. Das Stammschloss der Grafen von Tirol Görz „Schloss Tirol“, das Passeiertal mit Andreas Hofer, die landesfürstliche Burg und unzählige Denkmäler von touristischem Interesse.
Wir radeln nicht einfach vorbei und erleben bewusst diesen geschichtsträchtigen Boden und diese gottgesegnete Landschaft.

Beginnen wir unsere „Zeitreise“ auf unseren Trails im Dreiländereck.
Die archäologischen Grabungen auf dem Areal der Klosteranlage St. Johann in Müstair haben in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts neue Erkenntnisse über die Frühgeschichte des Münstertals gebracht. Man weiss heute, dass es in Müstair bereits in der frühen Bronzezeit (etwa seit 2000 v. Chr.) eine Dauersiedlung gab. Zahlreiche Funde belegen auch für die Hallstattepoche und für die Römerzeit eine Besiedelung des unteren Münstertals. Es wird heute angenommen, dass es vom Münstertal aus auch Verbindungen zu den Kulturen im Raum Vinschgau-Engadin-Veltlin gab. Einzelfunde aus der Bronzezeit am Umbrail, in Val Mora, in Val S-charl und am Ofenberg lassen vermuten, dass die Bergübergänge in die benachbarten Talschaften bereits sehr früh bekannt waren.
Die vorchristlichen Volksgruppen der alpinen Täler werden unter dem Begriff Räter zusammengefasst. Überreste ihrer Sprache sind noch heute in Flurnamen und in der Alltagssprache der Romanen erhalten. („Padnal“ = Burg, Wehranlage; „frosla“ = Hagebutte).

Eine bewegte Epoche: Römerzeit und Frühmittelalter
Nach der Eroberung der Alpentäler durch die römischen Feldherren Drusus und Tiberius (15 v. Chr.) entstand die Provinz Rätien. Kaiser Claudius liess die Via Claudia Augusta ausbauen, die von der Poebene bis zur Donau reichte. Sie führte durch das Etschtal über den Reschenpass bis zur Provinzhauptstadt Augsburg. Bei Mals kann man eine Weggabelung ins Münstertal annehmen. Von hier aus führte dann vermutlich ein Saumpfad über den Umbrailpass nach Bormio, ein Weg, der für den Warentransport, für die Jagd und den Viehtrieb ebenso wie für Kriegszüge  genutzt werden konnte.
Nach dem Ende des Römischen Reiches (476) kam der Vinschgau mit seinen Nebentälern unter die Herrschaft des Ostgotenkönigs Theoderich. Später wurde Rätien in das Reich der Franken eingegliedert, das bis in den Raum von Meran reichte. Die Bischöfe von Chur waren die weltlichen Verwalter in diesem Teil des Frankenreichs.
Als die Bayern die politische Macht im Etschtal übernahmen und die Langobarden südlich der Alpen die grossen Herrscher waren, erlangte Müstair an der Ostgrenze des fränkischen Reiches eine strategisch wichtige Stellung. Von diesem Stützpunkt aus konnte der Nord-Süd-Verkehr und damit auch die politischen Veränderungen im Vinschgau beobachtet und überwacht werden.
773/74 besiegte Karl der Grosse die Langobarden, eroberte ihre Hauptstadt Pavia und nahm den Titel „Rex Langobardorum“ (König der Langobarden) an. 788 besiegte Karl den Herzog von Bayern, Tassilo III., setzte ihn ab, verbannte ihn in ein Kloster und gliederte dessen Herzogtum wieder in das Frankenreich ein. In die Zeit nach 770 fällt auch der Bau der monumentalen Klosteranlage von Müstair mit den berühmten karolingischen Wandmalereien in der Klosterkirche. Die Klostergründung fällt demnach in die Regierungszeit Karls des Grossen, und sie passt auch genau in die Politik und Diplomatie des mächtigen Königs der Franken. An der Klostergründung haben wohl auch die Bischöfe von Chur mitgewirkt. Sie waren von Karl mit der weltlichen Verwaltung in Rätien betraut worden. St. Johann war ursprünglich auch bischöfliches Eigenkloster und wurde erst im Jahre 806 direkt dem kaiserlichen Besitz unterstellt.
Ein Kaiser und seine Gemahlin als Kirchenstifter im Münstertal
Die Überlieferung erzählt, Kaiser Karl der Grosse sei im Jahre 801, kurz nach den Krönungsfeierlichkeiten in Rom, mit seinem Gefolge über den Umbrailpass gekommen. Dort sei die ganze Mannschaft in ein schreckliches Unwetter geraten. Doch durch göttliche Kraft seien alle gerettet worden und hätten die Reise fortsetzen können. Aus Dankbarkeit habe der Kaiser in Müstair ein Kloster gegründet. Seine Gemahlin Hildegard habe am Fuße des Berges eine Kapelle zu Ehren der Heiligen Maria errichten lassen.
Die ersten Mönche von Müstair stammten aus der Benediktinerabtei Pfäfers. Ihnen ist die Erschliessung und Besiedelung des oberen Münstertals zuzuschreiben. Die ausgedehnten Wälder wurden gerodet und nutzbar gemacht. An diese Tätigkeiten der Siedler erinnern noch Flurnamen wie „Runc“ (von lat. runcare = roden, jäten) und „Mundaditschas“ (von lat. mundare = reinigen, reuten). So entstanden neue Ortschaften, die mit der Zeit eine gewisse Selbständigkeit und Unabhängigkeit erlangten. In Sta. Maria wurden verschiedene Kapellen gebaut und sogar ein Hospiz errichtet, das der Aufnahme von Pilgern, Armen und Kranken dienen sollte. Es befand sich vermutlich an der Strasse, die über den Umbrailpass führte. Diese Verkehrs¬verbindung nach Bormio gewann immer mehr an Bedeutung für den Waren- und Personenaustausch zwischen Tirol und Veltlin. In Müstair wurde bereits im 13. Jahrhundert anfangs September ein wichtiger Markt abgehalten. Das entsprechende Marktrecht besass der Bischof von Chur. Er verlieh es für viel Geld seinen Vasallen, den mächtigen Herren von Matsch.

Das Mittelalter zwischen Not und Elend und großen Veränderungen.
Im Laufe des Mittelalters entstanden im ganzen Tal neue Siedlungen sowohl im Talboden als auch in höheren Lagen. Man muss sich vorstellen, dass es sich bei den Wohnhäusern um kleine, einräumige Bauten handelte. Angeschlossen waren die Bauten für landwirtschaftliche und gewerbliche Zwecke. Die Kulturlandschaft wurde ausgedehnt und neue Anbaumethoden lieferten Produkte für die Selbstversorgung und für den Handel. Das hatte bald eine Zunahme der Bevölkerung zur Folge. Mehr und mehr an Bedeutung gewann das Münstertal auch wegen seiner besonderen Lage als Durchgangsgebiet zwischen Tirol, Engadin und Veltlin. Über die Bergpässe wurden grosse Ladungen mit Handelsgütern geführt (Salz, Wein, Getreide, Metalle, Stoffe usw.).
Kirchlich gehörten ursprünglich alle Dörfer des Münstertals zum Kloster Müstair. Der oberste Grundherr war aber der Bischof von Chur, dessen Grundbesitz bis in die Gegend von Meran reichte. 
Im Laufe der Jahrhunderte verlor der Bischof mehr und mehr an Einfluss. Die vielen Landadeligen in der Grafschaft Vinschgau konnten ihre Macht ausbauen. Sie liessen Burgen und Schlösser bauen und rissen Güter und Rechte des Bischofs an sich. Zu den mächtigsten Vögten im Vinschgau zählten die Herren von Matsch. Sie dehnten ihre Herrschaft über weite Gebiete der Bündner Alpentäler aus. Dabei waren sie oft grausam und rücksichtslos auch gegenüber der einheimischen Bevölkerung. In einem Protestschreiben aus dem Jahre 1394 klagt der Bischof von Chur: „... da verbrenntent die von Mätsch in dem Münsterthal dem Gottshuß schöne Dörfer alß das ist ze Tufers und zu St. Maria, und welche huser Sie nit verbrennen mochten, den brachen Sie die Muren ein und brachen auch vil heuser in dem Vinschgeu als das ist ze Schluderns und anderswo...“.
Im 14. Jahrhundert trat Bischof Peter Geyto immer mehr Grundrechte an Österreich ab. Dagegen reagierten die Leute in allen Talschaften des Bistums und gründeten 1367 zur Abwendung der drohenden Gefahr den Gotteshausbund. Das Münstertal bildete zusammen mit den Gotteshausleuten im Vinschgau das 11. Hochgericht.
„Item es ist ze wissen, waz landz recht ist...“
Im Jahre 1427 erhielten die Münstertaler ihr eigenes Grundgesetz. Die „Civil- und Criminalstatuten“ sind auch Ausdruck des wachsenden Selbständigkeitswillens der Bevölkerung dieses abgelegenen Winkels im Freistaat der Drei Bünde. In diesem Gesetz werden die Strafen für alle möglichen Verbrechen und Übertretungen geregelt. „Item wenn es sich erfundi, das ainer ain fallscher aid swuor, so sol mann in dieselben zwen finger ablassen howen in seiner cost und das land verpietten.“

„Heute Bündner und Bünde oder nie mehr!“
Das Mittelalter endete mit den hartnäckigen Auseinadersetzungen zwischen Bündnern und Tirolern. Am 22. Mai 1499 schlugen die Bündner das königliche Heer Maximilians I. an der Calven und verwüsteten nachträglich aus Rache viele Dörfer im Vinschgau. Der als Held gefeierte Bündner Heerführer Benedikt Fontana soll sterbend seine Mannen angefeuert haben: „Nur frisch vorwärts, meine Jungen, mit mir fällt nur ein Mann, achtet dessen nicht! Heute Bündner und Bünde oder nie mehr!“
Wenige Wochen später wurde das Tal von den Truppen Maximilians eingeäschert und ausgeplündert. Ein Zeitgenosse beschreibt das Unglück mit folgendem Bild: „... Auf diesem Marsch geschah es, dass ich durch ein großes, nun aber niedergebranntes Dorf kam. An dessen Ausgang stieß ich auf zwei alte Frauen, die einen Zug von etwa vierzig Knaben und Mädchen wie eine Viehherde vor sich hertrieben... Auf einer Wiese angelangt, stürzten sie alle kniefällig nieder und begannen das Kraut abzuweiden, gleich wilden Tieren, mit dem einzigen Unterschied, dass diese mit den Zähnen rupften, jene aber ihre Speise mit den Händen pflückten...“
Dies- und jenseits der Grenze herrschte Not und Elend. Die geplagte Bevölkerung konnte sich aber wieder aufraffen und mit Optimismus den Weg ins neue Jahrhundert, in die Neuzeit bahnen.

Neuzeit, - Die Bilder heraus, die Bibel hinein!
Der Übergang vom 15. zum 16. Jahrhundert ist gekennzeichnet durch viele Neuerungen in allen Schichten der Bevölkerung. Von Italien aus verbreiteten sich über ganz Europa neue Erkenntnisse auf dem Gebiete der Kunst, der Wissenschaft, des Buchdrucks und der Politik. Der neue Geist machte sich im Münstertal eigentlich erst mit der Ausbreitung der neuen Glaubenslehre bemerkbar. Um 1530 trat die Gemeinde Sta. Maria und mit ihr auch die oberen Talgemeinden zum evangelischen Glauben über. Altäre, Bilder und Statuen von Heiligen wurden entfernt und weggeworfen. Einzelne Exemplare gelangten nach dem Vinschgau oder ins Veltlin.
Österreicher und Franzosen bekämpfen sich im Münstertal
Anfänglich gab es auch in der Klostergemeinde Müstair eine reformierte Gruppe. Schlussendlich entschied sich aber die Bevölkerung für den alten Glauben. Es scheint, dass in den ersten Jahrzehnten nach Einführung der Reformation beide Konfessionen recht friedlich miteinander lebten. Zu Spannungen, ja sogar zu kämpferischen Auseinadersetzungen kam es während der Zeit des 30-jährigen Krieges als die Österreicher das Tal und ganz Bünden besetzten. Die Ausübung des protestantischen Glaubens wurde unter Androhung harter Strafen verboten. Erst als die französischen Truppen des Herzogs Rohan unter Führung des Obersten Georg Jenatsch die Österreicher aus Bünden und aus dem Münstertal vertrieben hatten, trat wieder Ruhe ein. Zwischen den Reformierten und der katholischen Minderheit in Sta. Maria wurde ein Vertrag über das Benützungsrecht der Kirche abgeschlossen. Diese blieb bis 1838 paritätisch. Die Spannungen zwischen den beiden Konfessionen blieb aber bestehen, ja sie verhärteten sich zusehends und arteten sogar in Kindsentführungen aus konfessionellen Mischehen aus.
1630 wütete im ganzen Tal die furchtbare Beulenpest. Sie forderte an die tausend Opfer. In Sta. Maria allen zählte man 460 Tote.

Vom Bistum zum Kaiserreich und zurück zum Freistaat
Durch die Zwistigkeiten zwischen den Konfessionen war der Einfluss des Churer Bischofs zu Beginn des 18. Jahrhunderts stark eingeengt worden. Die Münstertaler Gerichtsordnung von 1707 widerspiegelt die erlangte Eigenständigkeit der Gemeinden. der Bischof hatte beinahe kein Mitspracherecht mehr. Darüber empörte sich Bischof Ulrich VI. von Federspiel, und da er gerade noch in Geldnot war, verkaufte er im Jahre 1728 seine Münstertaler Rechte. Der neue Besitzer, Kaiser Karl VI. von Österreich, zahlte die Summe von 21’857 bündn. Gulden. Das eigenmächtige Vorgehen des Bischofs erregte die Gemüter in ganz Bünden. Man forderte die Rückerstattung des Münstertals. Endlich willigte Österreich ein, verlangte aber die Zahlung der Kaufsumme. Bis auf einen Restbetrag von 2'100 Gulden trugen die Münstertaler Gemeinden die Auskaufsumme zusammen. Der Realwert entsprach etwa 435 Stück Grossvieh. Am 23. Oktober 1762 unterzeichnete Kaiserin Maria Theresia die Loskaufsurkunde.

Das Münstertal als Kampfplatz fremder Truppen
Die Freude über die so teuer erlangte Unabhängigkeit dauerte nicht lange. Im Jahre 1799 – zur Zeit des Koalitionskrieges – erschienen fremde Truppen im Tal. Mitte März führte der französische General Dessalles seine Soldaten über den tief verschneiten Umbrailpass nach Sta. Maria. Die Gemeinde musste die Soldaten einquartieren. Dann folgte die Schlacht bei Müstair und Taufers, wo die Österreicher geschlagen wurden. (1'200 Gefallene und 4'000 Gefangene). Auf ihrer Verfolgungsjagd durch den Vinschgau benahmen sich die Franzosen „zum Teil wie Bestien“. Im Mai gelang der Gegenstoss der Österreicher; sie drängten den Feind bis ins Engadin zurück. Diese Kriegszeit traf die einheimische Bevölkerung in allen Gemeinden des Tals sehr hart. Der erlittene Schaden belief sich auf rund ¼ Million Gulden, was einem Realwert von 3'160 Stück Grossvieh entsprach.
Mit dem Einmarsch der Franzosen ging der Freistaat der Drei Bünde zu Ende. Eine erste Niederlage mussten die Bündner bereits 1797 mit dem Verlust der Untertanengebiete im Veltlin einstecken. Im Jahre 1512 hatten die Bündner die Herrschaft über die Gebiete um Chiavenna, Sondrio und Bormio an sich gerissen. Ein Landeshauptmann (Governatore) beaufsichtigte die Amtsführung der Beamten in den Untertanenlanden. Diese hatten vor allem die Steuern einzuziehen und die Verwaltung der Gemeindebehörden zu überwachen. 1796 eroberten die Franzosen die Lombardei, und Napoleon gründete in Oberitalien die „Cisalpinische Republik“. Er forderte die Bündner auf, den Veltlinern die Freiheit zuzugestehen. Obwohl die Mehrheit der Bevölkerung nicht die Trennung , sondern die Vereinigung mit den Drei Bünden wünschte, waren die Bündner Politiker nicht bereit, den Veltlinern die Gleichberechtigung zu gewähren. Darauf brach im Veltlin die Revolution aus. Die Veltliner erklärten sich am 19. Juni 1797 von Graubünden unabhängig und schlossen sich an die Cisalpinischen Republik an.
Um 1820 beabsichtigte Österreich, eine Verbindungsstrasse über den Umbrailpass zu bauen. Aus militärstrategischen Gründen lehnte aber die Bündner Regierung das Gesuch ab. In der Folge liess der österreichische Kaiser die Stilfserjochstrasse von Prad nach Bormio erbauen. Dadurch verlor das Münstertal die alte Bedeutung als Verkehrsverbindung zwischen Tirol und Mailand.
1856 bekämpften sich im Veltlin und auf dem Stilfserjoch die Italiener und Österreicher. Die schweizerische Armee schickte Soldaten ins Münstertal, die die Staatsgrenze auf dem Umbrail bewachen und verteidigen mussten.

Im Dreieck zwischen Tirol-Veltlin-Engadin
Im Jahre 1871 wurde die Passstrasse über den Ofenberg für den Wagenverkehr ausgebaut. Damit hatte das Tal einen besseren Zugang zum Engadin. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts reifte das Projekt für den Ausbau der Umbrailstrasse. Im Sommer 1901 konnte die Strassenverbindung von Sta. Maria bis zur Einmündung in die Stilfserjochstrasse dem Verkehr übergeben werden. Mit diesem grossen Werk setzte auch im Münstertal der Beginn des Fremdenverkehrs ein. Neue Hotels wurden gebaut und für den Empfang der Touristen eingerichtet. Diese kamen am Anfang eher zögernd, aber mit der Zeit entwickelte sich ein sanfter Fremdenverkehr im östlichsten Tal Graubündens. Die aufblühende Fremdenindustrie wurde aber während der Kriegsjahre und der darauffolgenden Wirtschaftskrise stark gebremst.

Kaiserjäger gegen Alpini
Von 1915 bis 1918 standen in der Region Ortler-Stelvio-Umbrail italienische und österreichische Truppen kämpfend gegenüber. Der Stellungskrieg in dieser hochalpinen Gebirgslandschaft war hart und sinnlos, sinnlos wie jeder Krieg. Die körperlichen Anstrengungen der Soldaten im Kampf zwischen Fels und Eis waren einmalig. Mit Ausdauer und List wurde um jeden Berggipfel gekämpft. Viele tüchtige Soldaten wurden Opfer der Naturgewalten und der rauen klimatischen Verhältnisse.
Zum Schutz der Landesgrenze und zur Abwehr eines möglichen Übergriffs der Italiener auf Schweizer Boden wurden Grenztruppen ins Münstertal entsandt. Die tapferen Soldaten verbrachten lange Wochen und Monate in der Region des Umbrailpasses. Für viele bedeutete dieser Grenzdienst einen schweren Schicksalsschlag. Verglichen mit den Italienern und Österreichern waren sie aber in mancher Hinsicht bevorzugt. Detaillierte Ausführungen zur Grenzbesetzung findet man im nachfolgenden Kapitel 5.
In den Jahren zwischen den beiden grossen Weltkriegen hatte das Münstertal eine harte Bewährungsprobe zu bestehen. Die alten Beziehungen zum benachbarten Vinschgau waren gebrochen. Südtirol war 1920 rechtswirksam in das Königreich Italien eingegliedert worden. Die Grenzlinie bei Müstair/Taufers erhielt zunehmend trennenden Charakter. Der Grenzverkehr zum Vinschgau wurde erschwert, vor allem während der Zeit des Faschismus. Das Münstertal orientierte sich nun auch wirtschaftlich mehr und mehr Richtung Engadin und Chur.
Im Zweiten Weltkrieg war die Grenzregion nicht allzu sehr vom kriegerischen Wirren heimgesucht. Die fehlende Bahnverbindung in den Norden, die Grenze zur neutralen Schweiz waren die Voraussetzungen relativ verschont zu bleiben.

Der Reschensee – eine Geschichte für sich.

Über 6 km lang ist der Reschensee; Mit seiner Wassermenge von 116 Millionen Kubikmetern erzeugt er rund 250 Millionen kWh Strom im Jahr. Eine stolze Leistung technischen Fortschritts? Der mitten aus dem Wasser ragende Kirchturm von Altgraun erinnert, gleichsam als stumme Anklage, daran, um welchen nie zu bezahlenden Preis hier "Fortschritt" erkauft wurde. Hier breitete sich einst eine blühende Landschaft aus, mit dem malerischen Dorf Graun. Es war ein stattliches Dorf geworden, erfüllt vom Durchzugsverkehr zwischen Bozen und Landeck, mit breitgiebeligen Gasthäusern, so der "Adler (Warger) und die "Traube (Reinhartl) als Haltestelle für die Post. Wo nicht alte Fresken die Häuser schmückten, taten es die Erker und Stiegenaufgänge, überall aber die bunteste Blumenzier an den Fenstern, auf den Söllern. 163 Häuser in Graun und in Reschen und 523 ha fruchtbarer Kulturboden fielen den Fluten zum Opfer. Über die Hälfte der 650 Bewohner von Graun mussten in die Fremde ziehen, rund 1000 Menschen waren von der Katastrophe betroffen.

Meran und das Burggrafenamt:
Im Meraner Stadtteil Zenoberg befand sich bereits zu römischen Zeiten eine befestigte römische Siedlung namens castrum maiense, welche im Namen der ehemaligen Gemeinde- heute einem eingemeindeten Stadtteil- Mais fortlebt. Meran selbst wurde zum ersten Mal im Jahre 857 als Mairania erwähnt. Von 1418 bis 1848 Hauptstadt der Grafschaft Tirol, wurde im 13. Jahrhundert zur Stadt erhoben. Ende des 14. Jahrhunderts wurde Meran durch Leopold III. mit zahlreichen landesfürstlichen Privilegien zur Förderung des Handels ausgestattet.
In der Landesfürstlichen Burg verstarb einst der berühmte Minnesänger Oswald von Wolkenstein der dort auf Besuch verweilte.
Mit dem Umzug des Landesherrn nach Innsbruck 1420 verlor Meran rasch seine Vorrangstellung und seine Bedeutung als Wirtschaftszentrum. Erst die Tiroler Freiheitskämpfe von 1809 brachten Meran wieder in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit: Am Küchelberg oberhalb Merans erkämpften die Tiroler einen Sieg über Franzosen und Bayern. Nach dem Ersten Weltkrieg kam Südtirol und damit Meran zu Italien. Die Stadt entging, im Gegensatz zur neuen Landeshauptstadt Bozen, aber weitestgehend der Assimilierungs- und Majorisierungspolitik des faschistischen Regimes in Rom. Besonders geschickte Verhandlungen der Stadtverwaltung unter Baron de Marcart leisteten hierzu einen wesentlichen Beitrag. Im Zweiten Weltkrieg diente Meran als Lazarettstadt.

Stadttheater
Meran schaut auf eine lange Tradition als Kur- und Fremdenverkehrsort zurück und gilt als eine der ersten Touristenhochburgen des Habsburgerreiches mit vielen namhaften Gästen aus Politik und Kultur. Wissenschaftler und Ärzte schätzten vor allem das milde, mediterrane Klima und die reine, heilende Luft der Kurstadt, die besonders die Heilung von Lungenleiden begünstigten. Nach 1945 gelang es, aus Meran erneut einen der wichtigsten Fremdenverkehrsorte Südtirols zu machen.

Das Schloss Tirol bei Meran ist die Stammburg der Grafen von Tirol und die Wiege des Landes. Der Burghügel ist seit der Urgeschichte besiedelt. Auch zahlreiche Funde und ein Gräberfeld aus dem Frühmittelalter wurden gefunden. Die Archäologen legten auch eine frühchristliche Kirche mit drei Apsiden frei.
Die erste Burganlage wurde vor 1100 erbaut. Auf 1139/40 wird die zweite Bauphase datiert, zu der auch der Bergfried gehört. Eine dritte große Bauphase fällt in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts unter Graf Meinhard II. von Tirol. Die Burg blieb bis 1420 Residenz der Tiroler Landesfürsten, bis Herzog Friedrich mit der leeren Tasche die Residenz nach Innsbruck verlegte.
In der Neuzeit verfielen Teile der Burg oder stürzten in den sogenannten „Köstengraben“. Sie wurde sogar auf Abbruch verkauft, um als Steinbruch genutzt zu werden. Im 19. Jahrhundert wurde die Burg wiederhergestellt und 1904 der Bergfried wieder aufgebaut.
Kunsthistorisch besonders interessant sind die Fresken der Burgkapelle und die herrlichen romanischen Portale mit üppigen plastischen Figuren in Marmor, die zum Teil Fabelwesen, religiöse Motive und geometrische Ornamente zeigen. Heute ist Schloss Tirol Sitz des Südtiroler Landesmuseums für Kultur- und Landesgeschichte.

Das Schnalstal ist das touristisch meist erschlossene Seitental des Vinschgaus. Vom Etschtal aus Meran kommend erschließt es sich rechts grob nach Nordwesten durch einen schmalen Taleingang steil bergauf. Am Beginn des Tales steht in exponierter Lage das Schloss Juval, welches sich im Privatbesitz des berühmten Bergsteigers Reinhold Messner befindet. Das Tal wird vom Schnalser Bach durchflossen, der im oberen Teil des Tales zum Vernagt-Stausee aufgestaut wird. In diesem Bereich werden Höchstgrenzen der bergbäuerlichen Siedlungen erreicht, die Finailhöfe (1953 m) zähl(t)en zu den höchsten Kornhöfen der Alpen. Wie nur wenige vergleichbare Regionen zeigt das Schnalstal auf relativ geringer Entfernung Klima- und Vegetationsbereiche vom Apfel- und Weinbau bis zum hochalpinen Gletscher. Politisch gehört das Schnalstal zu den Gemeinden Naturns und Schnals. Im Norden gehört ein Teil des Tales zum Naturpark Texelgruppe.

Am Hauslabjoch oberhalb des Schnalstals wurde im September 1991 der Mann aus dem Eis „Ötzi“ gefunden.

Sonstiges
Am 27. Mai 1995 endete die 14. Etappe des Giro d'Italia im Schnalstal mit dem Sieg des Kolumbianers Oliverio Rincón.
Die Schnalstaler Gletscherbahn wurde Anfang der 70er Jahre vom Pionier Leo Gurschler erbaut. Im Juli 1975 wurde die höchste Seilbahn Südtirols (2.011-3.212m) eröffnet. Dem Pionier Leo Gurschler wurde im Sommer 2007 diesbezüglich ein Denkmal gewidmet.

Sa So Mo
Vorschau Webcam



© 2007 - www.mountainbike.bz