Bozen - Geschichtliches

Stadtgemeinde, Prov. Bozen, Einwohner: 100.000 (Stand 2007), Höhe: 265 m,

 
In frühgeschichtlicher Zeit war der Bozner Talkessel nicht bewohnbar, da es sich um ein Sumpfgebiet handelte, das häufigen Überschwemmungen durch die drei Flüsse (Etsch, Eisack und Talfer) ausgesetzt war. Spuren der ersten menschlichen Siedlungen finden sich deshalb am Fuße der Bergketten und auf den umliegenden Höhen. Im Jahre 15 v.Chr. entstand die erste römische Niederlassung zwischen Etsch und Eisack, später Pons Drusi benannt und als solche in den ersten Dokumenten erwähnt; die Siedlung scheint sich an der Stelle des heutigen Doms befunden zu haben. (Grabinschriften und Überreste einer frühchristlichen Basilika aus dem 6. Jh.) Nach dem Untergang des römischen Reiches fielen in die Region erst Goten, dann Franken, Langobarden und Bajuwaren ein. Im 11. Jahrhundert belehnte Kaiser Konrad II. den Bischof von Trient Ulderich II. mit dem Gebiet. Dieser enteignete das Land, das bis dahin von einem Weinberg des Klosters Tegernsee belegt war, und gründete den ersten Stadtkern, welcher der heutigen Laubengasse entspricht, einer privilegierten Geschäftsstraße (Verkehrsknotenpunkt zwischen Norden und Süden). Die Stadt wurde im 12. und 13. Jahrhundert erbaut, mit Stadtmauern und Graben versehen und mit dem Stadtrecht ausgestattet. 1277 gelangte Bozen unter die Herrschaft der Grafen von Tirol und 1363 ging es an die Habsburger. Die Handelstätigkeiten wurden erweitert und die Stadt breitete sich im Bereich der heutigen Altstadt aus. Die mittelalterliche Stadtanlage blieb bis Mitte des 19. Jahrhunderts praktisch unverändert, bis der Stadtarchitekt Sebastian Altman aus München damit beauftragt wurde, ein Projekt für den Bau eines neuen Stadtteils zu erarbeiten. Im 19. Jh. wächst Bozen zu einem Fremdenverkehrsort heran. Vor allem der Stadtteil Gries wird als Luftkurort international bekannt. Die aufstrebende
 
Entwicklung, sei es wirtschaftlich wie auch fremdenverkehrsmäßig, verdankt Bozen nicht nur seiner besonders zentralen Lage im Herzen einer der atemberaubendsten Alpengebiete, als auch dem Bau der großen Eisenbahnverbindung in der 2. Hälfte des 19. Jh.; der Ausbruch des Ersten Weltkrieges unterbricht diesen Trend, die Jahre des Faschismus bringen wesentliche Einschnitte in die landschaftlichen und örtlichen Verhältnisse; die Industriezone wächst ungeordnet und übermäßig, neue Stadtteile entstehen, wobei darin die unverkennlichte rationale, monumentale Baustruktur hervorsticht.

Sehenswert in Bozen:
Der mächtige gotische Dom zu Maria Himmelfahrt am Waltherplatz (1280 im romanischen Stil begonnen, 1340 im gotischen Stil erweitert und Anfang des 15. Jh. fertiggestellt) mit dem 65 m hohen Kirchturm, dem Wahrzeichen von Bozen.
Die Dominikaner Kirche mit der St.-Johann- und der St.-Katharina-Kapelle und dem Kreuzgang aus dem 13. Jh. (ein wahrhaftes „Museum“ der Bozner Wandmalerei nach der Schule Giottos aus dem 14. und 15. Jh.).
Die Franziskanerkirche mit Kreuzgang aus dem Anfang des 14. Jh. (bemerkenswert der hölzerne Schreinaltar mit geschnitzten Flügeltüren von Hans Klocker – 1500).
Das Stadtmuseum mit der reichsten kunst- und kulturgeschichtlichen Sammlung ihrer Art in Südtirol (kostbare Kunst vom Mittelalter bis ins 20. Jh. – geöffnet täglich außer montags)
Das Naturmuseum im ehemaligen Amtsgebäude Maximilans mit Einblicken in die Vielfalt der Südtiroler Naturlandschaft und einem Meerwasseraquarium (geöffnet täglich außer Montag)
Südtiroler Archäologiemuseum mit „ÖTZI“
Das Südtiroler Archäologiemuseum liegt in der Bozner Altstadt und dokumentiert die gesamte Geschichte des Landes, von der Altsteinzeit bis zur Karolingerzeit. Das Museum ist weltweit dafür bekannt, dass es den Mann aus dem Eis „Ötzi“ und seine Originalbeifunde beherbergt. (geöffnet täglich außer Montag)

Schloss Runkelstein: Die Bilderburg
Am 19. April 2000 wurde das Schloss Runkelstein bei Bozen der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Runkelstein ist die Burg der Bozner, am Eingang des Sarntales malerisch auf einem steil aufragenden Porphyrfelsen gelegen. Die ursprüngliche Wehranlage wurde 1237 von der Adelsfamilie der Herren von Wangen errichtet. Ende des 14. Jahrhunderts erwarben die Bozner Bürger Niklaus und Franz Vintler die Ruine und bauten sie zu einem Repräsentationsobjekt aus. Bis zum Tod Niklaus Vintlers (1413) wurden die Räume mit Fresken ausgemalt, zum Großteil nach literarischen Vorlagen, deren bekannteste noch heute die tragische Liebesgeschichte von „Tristan und Isolde“ ist. Kaiser Maximilian I. veranlasste zu Anfang des 16. Jahrhunderts die Renovierung der Fresken im Sommerhaus. 1893 schließlich schenkte Kaiser Franz Joseph das neugestaltete Schloss der Stadt Bozen. Neben der abenteuerlichen Baugeschichte des Schlosses und dem heutigen, romantischen Zustand, der zum Verweilen einlädt, ist das Einmalige im Inneren von Runkelstein zu finden, und zwar im Westpalast und im Sommerhaus. Dort befindet sich an den Innenwänden der Räume der größte erhaltene profane Freskenzyklus des Mittelalters, welcher von authentischen Rittersagen am Hof und bei der Jagd und von Leidenschaften zwischen Rittern und Hofdamen erzählt.
Damit ist Runkelstein bereits eine Burg der Bilder, darüber hinaus ist das Schloss jedoch eine Bilderburg, die einem Märchen zu entspringen scheint. Dies bewegt nicht nur die gegenwärtigen BetrachterInnen, sondern entzückte vor allem die Romantiker, darunter auch König Ludwig I. von Bayern, die Runkelstein als „schöne Ruine“ bezeichneten und zu einer der beliebtesten und am meisten gezeichneten, gemalten, fotografierten Burgen des 19. Jahrhunderts machten. Runkelstein ist auch daher „die“ Bilderburg schlechthin. (geöffnet ganzjährig jeweils von Dienstag bis Sonntag)

Trockenbiotope
An den Porphyhängen des Bozner Talkessels befinden sich Trockengebiete, die mit einer einzigartigen Flora aufwarten. Aufgrund des milden Klimas gedeihen hier Pflanzen, die man in diesen Breiten nicht vermuten möchte: Flaumeichen, Blumeneschen, Bergküchenschelle (Osterglocken), nadelblättrige Sonnenröschen.

St. Sebastian-Kirche auf der Weit
Pestkirche, die als Versprechen erbaut wurde, falls die Pest den Ritten verschone. Bei der Gegend um St. Sebastian handelt sich um einen besonders geschichtsträchtigen Boden: Hier siedelten schon in der Urzeit Menschen, in der Römerzeit hat sich hier ein Friedhof befunden; hier stand das Schloss Zwingenstein, von dem jedoch nur noch wenige Mauerreste erhalten sind.

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